Corona und der Religionsunterricht – ein Zwischenstand (Viera Pirker)

Als dieser Text entsteht, liegt mehr als ein turbulentes halbes Jahr hinter uns. Eine Zeit mit einer Pandemie, mit Solidarität und politischem Streit, mehr als ein halbes Jahr, das zu einer Erprobung der Gesellschaft geworden ist. Eine Zeit mit geschlossenen Schulen und Fernunterricht, mit Abstand, Hygiene, Alltagsmasken, mit Wellen und Wachstum. Keineswegs kann diese schon im Rückblick betrachtet werden: Vielmehr schauen wir im Moment in eine Zukunft mit ungewissem Ausgang. Viera Pirker fragt: Welche Veränderungen zeichnen sich für die Belange des Religionsunterrichts in diesem Zeitraum ab?

1. Beobachtungen und Erfahrungswelten

Wer sich mit religiöser Bildung in der Schule befasst, der beobachtet, begleitet und versteht das Schulsystem in einer besonderen Perspektive. Der Religionsunterricht blickt auf Schule aus einer spezifischen Position heraus. Im Kontext der Unterrichtsfächer vertritt er einen schwachen Gegenstand, steht mitunter eher unter Druck und braucht selbst Inklusion im Schulsystem – vor allem angesichts kleiner Lerngruppen. Gut gemachter Religionsunterricht denkt die Schule vom Menschen her, ist lebensweltorientiert, diskursiv, entdeckend, stärkend. Der Religionsunterricht hat zugleich ein starkes Umfeld, er verfügt über gute Partner*innen auch außerhalb der Schule – Kirche, Fortbildungsinstitute – und ist gesetzlich verankert. Lehrkräfte sind in der Regel gut vernetzt, miteinander und innerhalb der Kollegien.  Aus dieser „Warte“ heraus wird es im Religionsunterricht besonders interessant, wenn sich das Schulsystem verändert.

Die Schulschließungen Mitte März haben alle Lehrer*innen und besonders auch die Schulleitungen vor große Herausforderungen gestellt. Auf einmal waren alle abgeschnitten von ihren normalen Kanälen und Aufgaben, mussten Schule und Unterricht neu denken. Lehrkräfte erzählen aus einer Situation, die für sie in der Regel viel mehr Arbeit mit sich gebracht hat. Der Beziehungsjob Schule wurde auf einmal von seiner Lebensader, der Begegnung, abgeschnitten. Im familiären Trubel, in vielfachen Verantwortungen verlagerte sich die Arbeit an den Schreibtisch, an den Bildschirm. Diese Zeit zwischen Leere und Fülle wird als Phase der Transformation beschrieben, in der rascher Wechsel vom Analogen ins Digitale erfolgt ist.[1]

Wie so oft, entscheiden Kontext und Situation der konkreten Schule maßgeblich über die Gelingensbedingungen des Unterrichts im Distanzlernen. War Software, war digitale Infrastruktur bereits vorhanden? Werden nur Hauptfächer und Prüfungsfächer unterrichtet? Gerade der Religionsunterricht wurde und wird – wie andere Randfächer – vielerorts nachrangig behandelt.[2] Mit der zweiten Corona-Welle ist insbesondere seit den Herbstferien vielerorts gemeinsamer Ethik- und Religionsunterricht im Klassenverband angesetzt worden – eigentlich gegen gesetzliche Grundlagen, doch in den Ausnahmezeiten der Pandemie natürlich äußerst nachvollziehbar. Jedoch gilt es sensibel zu beobachten, wie sich die Situation in diesem, vielleicht auch im nächsten Schuljahr weiter entwickeln wird. Alle Bedenken und Bemühungen in den vergangenen Jahren um eine religionspädagogisch durchdachte und rechtlich gut verankerte Zusammenarbeit in sorgsam entwickelten, konfessionell-kooperativen Ansätzen scheinen jetzt rasch vom Tisch gewischt. Hier werden Fakten geschaffen, die prägend wirken können.

Beispielsweise war beim #relichat in Twitter zu bemerken, dass viele Kolleg*innen die frei gewordene Zeit in ihre professionelle Entwicklung investiert haben und aktiv an Online-Seminaren und Austauschformaten teilgenommen haben. Doch vorhandene Kränkungen der erfahrenen „Unwichtigkeit“ des eigenen Faches sind nicht von der Hand zu weisen.[3] Religionslehrkräfte haben sich in der Notfallbetreuung engagiert, haben an der Sorge ums Kindeswohl teilgenommen, haben im Kollegium unterstützt und offene Ohren behalten für ihre Schülerinnen und Schüler. In der Phase der Schulschließung waren manche Gespräche jetzt intensiver und persönlicher, als es im Unterricht „live“ möglich ist; und wer individualisiert Einzelaufgaben oder Projekte begleitet hat, hat oftmals gerade die unauffälligeren, stilleren Schülerinnen und Schüler ganz neu kennengelernt. Religionsunterricht im Distanzlernen hat auch Kreativität freigesetzt: Hier eröffnen sich neue Lernräume, es können neue Kommunikationsformen entdeckt werden, die Bedeutung religionsunterrichtlicher Themen wird durch die lebensweltliche Erfahrung der Pandemie neu gesehen.[4]  Und die Phase des Distanzlernens haben keineswegs alle Kinder als Nachteil erfahren. Eltern haben die eigenen Kinder als Lernende wahrgenommen, haben aber auch gesehen, wie stressig Schule für Kinder sein kann. Manche Eltern sagten, ihren Kindern ging es besser als sonst: Sie waren ruhiger, weniger krank, haben die Zeit zu Hause genossen. Ein Viertel der Schülerinnen und Schüler haben das Gefühl, im Distanzlernen mehr zu lernen als im normalen Unterricht.[5] Doch längst nicht alle Kinder waren für die Lehrkräfte auf digitalem Weg erreichbar, sondern durch Corona wortwörtlich abgehängt.[6] Kinder in armen Familien haben den Druck der Eltern nicht abfedern können, haben Hunger gehabt, und zudem mangelnden Zugang zu den Bildungsmaterialien. Kinder, die Schule als Fluchtpunkt in einem bedrohten Alltag haben, hatten kein Entkommen. Insgesamt wird befürchtet, dass die Monate des irregulären Lernens, die noch lange nicht vorbei sind, einen deutlichen Knick in den Bildungsbiographien erzeugen – vor allem bei Schülerinnen und Schülern, die unter Belastungen und Herausforderungen stehen, die zu viel in medialen Umwelten hängen, die sich selbst nur schwer strukturieren können.

Schulen – geöffnet, geschlossen, das Winterhalbjahr mit offenem Fenster, Lüften statt Lernen: Hier zeigen sich neuralgische Punkte der Gesellschaft. Wo liegt die Zukunft, wo liegt der Focus, was bedeutet Bildung in dem chronisch unterfinanzierten, auch personell zu knapp ausgestatteten und föderal nicht immer gelingend weiterentwickelten Sektor?

Kinder, Küche, Krankheit: mit der Pandemie mussten und müssen alle enger zusammenrücken. Die Situation hat die Menschen in neue, ungewohnte, teilweise vermiedene Emotionen gedrängt – Angst, Überwältigung, Erschöpfung, Kreativität, Verbundenheit. Solidarität und Einsamkeit zeigen sich neu, besonders für Menschen, die alleine leben. Hinzu kommt Unsicherheit über die Entwicklung, die Volatilität der Regelungen und Entscheidungen, die sich mit der zweiten Welle verstetigt und verstärkt hat. Wer sich religiös versteht, war und ist auch spirituell gefordert, sich selbst und andere zu halten: Ostern ohne die Gottesdienste, Ramadan ohne Moschee und Besuche, die Erstkommunion ausgefallen. Firmkatechese, für die die Ostertage so wichtig sind, Einkehrtage – alles ausgefallen, und der Kirchgang verliert weiterhin an Bedeutung, Online- und Fernsehgottesdienste erfahren zwar viel Aufmerksamkeit, können den Verlust des an Erfahrung orientierten, rituellen Raums aber kaum auffangen. Auf Weihnachten hin wird sich dies voraussichtlich fortsetzen. Doch zu beobachten ist durchaus eine Renaissance der Hauskirche, und wie sich zeigt, hängt zukunftsfähige Pastoral keineswegs allein am Gottesdienst, sondern setzt auf kreative und lebensnahe, ehrenamtliche Netzwerke.[7] Als prägend erinnern viele die Bilder und Gesten von Papst Franziskus auf dem leeren Petersplatz, der den außerordentlichen Segen „Urbi et Orbi“ spendet: Er hat damit eine liturgische Form und Sprache angeboten für das Aushalten der Hilflosigkeit, die sich ausgehend von den hoffnungslos überlasteten Regionen Italien mit der ersten großen Corona-Welle in Europa ausgebreitet hat.

2. Religion – Relevanz, Resonanz, Risiko

Religion ist das Referenzsystem des Religionsunterrichts – auch: ein Hoffnungssystem, in dem wir uns menschlich ausstrecken in alle Dimensionen, und vor allem hin zu Gott. Dieses Lebenssystem macht Interaktionen, Sinnstiftung, Vergemeinschaftung, und Lebensdeutung möglich. Doch wie relevant ist Religion in unserer heutigen Gesellschaft, darüber wurde im Sommer viel diskutiert. Nicht so relevant wie die Schule, möchte man meinen – mit geschlossenen Schulen ist die Teilnahme an einer arbeitsteiligen Gesellschaft fast nicht möglich, geschlossene Kirchen und Moscheen scheinen leichter zu verschmerzen sein. Mit der Pandemie haben sich neue lebensweltliche Wahrnehmungen für religiöse Bildung entwickelt:

  • Ganz vorrangig die Frage, die bittere Erkenntnis, dass uns kein gesundes Leben versprochen ist, und dass wir sterben werden – und was es bedeutet, zu leben im Angesicht des Sterbens.
  • Nahe rückt die Sorge um Angehörige, die betroffen sind, die Angst bei eigener Erkrankung, die Unsicherheit, ob die Eltern besucht werden können, die für Besuchsverkehr geschlossenen Alten- und Pflegeheime, in denen das Virus besonders grassiert.
  •  Aber auch lange nicht gehörte Anklagen wurden laut: Straft Gott mit der Pandemie die Welt? Wieso lässt ein Gott dies zu? Das Umgehen mit Unverfügbarem, das jetzt – in dieser das Leib und Leben bedrohenden Situation – besonders nahe rückt, hat viele Menschen verunsichert.
  • Die Welt hat lange Zeit geruht: Die Erkenntnis stimmt nachdenklich, dass die Wirtschaft reichlich überdehnt und überhitzt. Wenn alle nur kaufen, was sie brauchen, schrumpft der Umsatz um über 20%. Dem Klima hat Corona eine Erleichterung verschafft durch weniger Reisen, weniger Luxus, weniger Unterwegs-sein. Aber die Gewohnheit der sofortigen Bedürfnisbefriedigung ist empfindlich unterbrochen und wird weiterhin gestört. Wie wird damit umgegangen? Die Religionspädagogik hat sich der Bildung für Nachhaltige Entwicklung inzwischen konsequent zugewendet. Schöpfung und Verantwortung sind zentrale Themen unserer Gegenwart und Zukunft.[8]
  • Es droht eine Gefahr der gesellschaftlichen Spaltung: Corona hat gezeigt „was ist“ – hat den Deckel gehoben, und macht die Auswirkungen versteckter und offener Armut und Ressourcenknappheit sichtbar. Wer alle Regeln kennt und sich auch daran halten kann, lebt in der Regel unter nicht so schlechten Bedingungen; für große Corona-Cluster sind vielfach äußere Lebensrealitäten mit verantwortlich. Was heißt dies für die Frage nach Gerechtigkeit?
  • Natürlich sind vor allem die Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter Druck. Der Generationenvertrag, gesellschaftliche Solidarität, individuelle Verantwortung liegen offen. Auch vorerkrankte und vulnerable Kinder gehören zu Risikogruppen. Ob sie am Schulunterricht teilnehmen können, hängt wesentlich von der gemeinsamen Sorgsamkeit im Klassenzimmer ab; für viele ist die Gefahr zu groß.
  • Themen, die jetzt verhandelt werden und auch religiöse Resonanz hervorrufen: Gerechtigkeit. Heil, Heilung, Krankheit. Aber auch: individuelle und kollektive Schuld, Verantwortung, Nächstenliebe, Solidarität.
  • Nicht zuletzt kommen Verschwörungsmythen wieder auf den Tisch.[9] Die alten Fragen „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ und „wie wirklich ist das, was in den Medien erzählt wird“ haben gerade in kleinen, aber lauten Gruppierungen unserer Gesellschaften hohe Konjunktur; und direkt nach den Schulöffnungen im Mai haben Religionslehrkräfte online verstärkt nach diesen Themen gesucht.[10]
  • Vulnerabilität, die Erfahrung von Verwundbarkeit, ist das theologische und anthropologische Wort, das psychologisch und sozialethisch anschlussfähig wirkt, und an dem entlang es sich lohnen wird, weiter zu denken. Hier sind gesamtgesellschaftlich und individuell neue, teilweise tiefgreifende Wunden gerissen.

Nimmt Corona Auswirkungen auf das Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften? Die großen Kirchen und Religionsgemeinschaften haben in vielen Ländern kooperativ mit den staatlichen Institutionen gearbeitet und sich frei in die Regeln eingefügt. Wir müssen aber auch sehen und zu einem gewissen Teil ertragen, dass kleinere religiöse Gemeinschaften und Vergemeinschaftungsformen zu Risikoträgern in der Gesellschaft geworden und immer wieder zum  Entstehen lokaler Corona-Cluster beigetragen haben – wenn sie das Versammlungsverbot missachten, die Regeln nicht einhalten, mit großen Gruppen in kleinen Räumen feiern, die Kontaktlisten nicht sorgsam führen, in großen Familien das Virus weitertragen. Einzelne freireligiöse Gemeindeleiter mischen aktiv bei den letztlich antidemokratischen ‚Querdenkern‘ mit. Hier entsteht ein neuer Boden für Religionskritik, der ganz leicht – und in Kombinationen mit anderen Differenzmarkern – in religionsbezogenen Rassismus umschlagen kann. Zugleich zeigt sich die Relevanz religiöser Bildung an solchen extremen Punkten ganz besonders. Wer mit Schicksal, Schöpfung, Kontingenz, Unverfügbarkeit und Dankbarkeit leben gelernt, und vielleicht sogar einen einigermaßen geklärten Transzendenzbezug entwickelt hat, hat gute Ausgangsvoraussetzungen, mit Ambiguitäten umzugehen, wie sie sich in der Bewältigung der Pandemie, in den Herausforderungen der Demokratie, in einer pluralen Gesellschaft insgesamt stellen.

3. Zurück und nach vorne: Religionsunterricht mit Corona

 „Unser Fach droht jetzt zum Superspreader zu werden“, sagte eine Kollegin zum Beginn des Schuljahres, denn Religionslehrkräfte unterrichten oft in vielen verschiedenen Klassen, die quer zu Stufen zusammengewürfelt werden. In Österreich kommt es in den kleinen Religionsgemeinschaften auch einmal vor, dass eine Lehrkraft an 10 verschiedenen Schulen unterrichtet. Wer in einer solchen Situation arbeitet, ist hoch verantwortlich und muss strenge Hygienestandards einhalten, strenger vielleicht, als verpflichtet wird. Auf die mittlere Sicht hin ist der Religionsunterricht aber fachdidaktisch herausgefordert. Spielen, erfahrungsorientiertes Lernen, Umgang mit haptischen Materialien, Singen, Basteln, Atmen, Stuhlkreis, Diskutieren: All das gehört wesentlich zum religionsunterrichtlichen Alltag. Solche Zugänge können nicht so einfach gestrichen werden. Viele Lehrkräfte haben in diesem Jahr neue Erfahrungen mit digitalen Zugängen gemacht. Analog und digital soll nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Entwicklung von Medienkompetenz und ihre Reflexion beziehen sich längst schon auf digitale Realitäten; die Entwicklung schulischer Bildung hinkt hier der gesellschaftlichen Entwicklung und internationalen Standards noch deutlich hinterher. Die Akteurinnen und Akteure in der Bildungslandschaft sind durch Corona in einen überfälligen Schritt hinein katapultiert worden, den es auch religionsunterichtlich – thematisch, didaktisch und methodisch – kreativ zu durchdenken gilt. Der Religionsunterricht steht längst in der Pflicht, seine Didaktik um digitalgestützte und mediensensible Instrumentarien zu erweitern. Und wie so oft, zeigen sich gerade in diesem Fach Lehrkräfte auf methodischer Ebene adaptiv und experimentierfreudig, auf thematischer Ebene neugierig und kritisch, auf didaktischer Ebene kreativ und lebensweltorientiert. Schülerinnen und Schüler brauchen Medienkompetenz in der Gegenwart, und sie benötigen Begleitung und Deutung für die Welt, der sie offline und online begegnen, und die sie offline und online gestalten.

Für Fortbildung und Weiterbildung heißt dies: mit gutem Beispiel voran gehen, Lehrkräfte mitnehmen und unterstützen, Erprobungsräume und Austauschräume öffnen, die nicht an Landes- oder Bistumsgrenzen enden. Themen und Interaktionen der religiösen Bildung sollten zunehmend und konsequent auf die analog/digital-Dimension hin gedacht werden. Fortbildnerinnen und Fortbildner tun gut daran, wenn sie – mehr noch als alle anderen – selbst in bereits bestehenden und emergierenden Communities of Practice aktiv und sichtbar werden, als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren agieren und gestalten. Der international agierende #relichat auf Twitter ist dafür ein Beispiel[11]; die Plattform www.lehren-und-lernen.ch ist aus einer solchen Community heraus gewachsen und entwickelt sich weiter – mit dem Interesse, Religionslehrkräfte in der digitalen Transformation zu begleiten und fortzubilden. Auch die bundesweit aufgestellten online-Angebote der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland, www.rpp-katholisch.de  und www.rpi-virtuell.de, sollten diesbezüglich in ihrer Schlüsselfunktion stärker wahrgenommen und unterstützt werden.

Für Institutionen heißt dies: Die digitale Infrastruktur ausbauen und stärken, auf verantwortliche und handhabbare Lösungen hinarbeiten, die Lehrkräfte unterrichten lassen und ihnen die wichtigen Aufgaben der IT-Administration und allzu weit reichender Datenschutzverantwortung abnehmen. Seitens der Schulträger muss es jetzt darum gehen, sensibel wahrzunehmen für das, was hilfreich ist für das Lernen, das als absoluter Hauptprozess der Schule prioritär im Zentrum stehen muss.

Für Kollegien heißt dies: vernetztes Arbeiten ermöglicht und erfordert Teamgeist, in dem unterschiedliches Tempo möglich ist, aber Stillstand und Verweigerung keinen Raum haben sollten. Schule kann in einer Kultur der Digitalität als Ganze und über die Grenzen der Institution hinaus vernetzt gedacht werden. Auch der Unterricht kann Fächer- und Schulgrenzen überschreiten, die Begleitung von Schülerinnen und Schülern (in Quarantäne-Zeiten!) wäre auf diese Weise leichter gemeinsam zu planen und zu stemmen.

Für Religionsunterricht heißt dies: Religionslehrkräfte stehen in der Verantwortung, gute Angebote zu machen, guten Unterricht zu entwickeln, und in Kontakt mit ihren Schülerinnen und Schülern zu stehen. Vergessen wir das nicht: Die Beziehung ist die zentrale Ebene des Unterrichts, auch, wenn die Lernenden und Lehrenden nicht in einem Raum sitzen. Aller Anfang ist Beziehung – und das gilt auch für intermediäre Welten.


[1] Vgl. Pirker, Viera: Religiöse Bildung in Zeiten der Corona-Pandemie. Beobachtungen und Spiegelungen aus Online-Begegnungen zur Situation von Lehrkräften, in: Zeitschrift für Pädagogik und Theologie 72/4 (2020) im Erscheinen.

[2] Vgl. dkv – Fachvberband für religiöse Bildung und Erziehung: Zur Systemrelevanz des Religionsunterrichts. Ein Statement des dkv-Vorstandes 2020, in: https://www.katecheten-verein.de/de/wp-content/uploads/2020/07/Zur-Systemrelevanz-des-Religionsunterrichts_Stellungnahme_dkv-Vorstand.pdf (Stand: 09.07.2020) ; exemplarisch die unterschiedlichen Positionierungen zu den Möglichkeiten und Grenzen des Religionsunterrichts: Spiegelhalter, Eva-Maria: Hometeaching – Was ist eigentlich für meine Schüler*innen jetzt wichtig?, Feinschwarz 2020, in: https://www.feinschwarz.net/hometeaching-was-ist-eigentlich-fuer-meine-schuelerinnen-jetzt-wichtig/ (Stand: 05.05.2020) und Thanscheidt, Anika / Hans, Anna / Tacke, Lena: Religionsunterricht „auf Distanz”: möglich und relevant, Feinschwarz 2020, in: https://www.feinschwarz.net/religionsunterricht-auf-distanz-moeglich-und-relevant/ (Stand: 21.07.2020).

[3] Pirker 2020 [Anm. 1].

[4] Vgl. Thanscheidt / Hans / Tacke 2020 [Anm. 2].

[5] Huber, Stephan Gerhard u. a.: COVID-19 und aktuelle Herausforderungen in Schule und Bildung. Erste Befunde des Schul-Barometers in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Münster / New York: Waxmann 2020, 49.

[6] Vgl. ebd., 54.

[7] Biesinger, Albert / Karrer, Matthäus: Werdet endlich erwachsen. Der „Shutdown“ ist nicht das Aus für die Kirche, in: Herder Korrespondenz 74/9 (2020) 29–32.

[8] Vgl. Gärtner, Claudia: Klima, Corona und das Christentum. Religiöse Bildung für nachhaltige Entwicklung in einer verwundeten Welt, Bielefeld: transcript; transcript Verlag 12020 (= Religionswissenschaft 20).

[9] Vgl. Blume, Michael: Verschwörungsmythen. woher sie kommen, was sie anrichten, wie wir ihnen begegnen können, Patmos 2020.

[10] Pirker 2020 [Anm. 1]

[11] Peböck, Karl: #relichat – Informelles Lernen mit Twitter. Religionslehrer*innenfortbildung durch sozial-konstruktivistische Vernetzung in Communities of Practice. Dissertation, Passau 2020; Pirker, Viera: Religiöse Bildung in Zeiten der Corona-Pandemie. Spiegelungen aus Online-Begegnungen zur Situation von Lehrkräften, in: Zeitschrift für Pädagogik und Theologie 72/4 (2020) 486–501.

Prof.in Dr. Viera Pirker ist seit 1. November 2020 Professorin für Religionspädagogik und Mediendidaktik an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Sie war Post-Doc Assistentin am Institut für Praktische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

Veröffentlicht von Praktische Theologie

Institut für Praktische Theologie Katholisch-Theologische Fakultät Universität Wien Schenkenstrasse 8-10 1010 Wien c/o Assoc.-Prof. Dr. Regina Polak, MAS (Admin)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: