Weihnachten 2021 (Regina Polak)

Auch das Weihnachtsfest 2021 findet inmitten der immer noch unausgestandenen Pandemie statt. Zahlreiche gesellschaftliche Verwerfungen lassen bei vielen Menschen nur schwer Freude aufkommen. Regina Polak versucht, diese in eine Zeitdeutung einzuordnen und glaubt, dass die Geburt des Jesus von Nazareth gerade in schwierigen Zeiten Hoffnung schenken kann.

Seit unserem letzten Blog im Juli 2021 hat sich die gesellschaftliche Situation massiv verändert. Nach dem Sommer hatten wir am Institut für Praktische Theologie beschlossen, den Blog ruhen zu lassen. Die Pandemie schien weitgehend überstanden. Aber nun stehen wir vor Beginn des neuen Jahres angesichts der Omikron-Variante vor einer „Welle von beispielloser Wucht“, die wohl auch die besorgniserregenden gesellschaftlichen Konflikte befeuern wird.

Seit Wochen verschärfen sich, nicht zuletzt in den sozialen Medien und auf den Straßen Wiens, Auseinandersetzungen, die gesellschaftliche Atmosphäre ist aggressionsgeladen. Auch wenn das Lichtermeer „Yes, we care“ am vierten Adventsonntag in der Wiener Innenstadt beeindruckend sichtbar gemacht hat, dass die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung für Frieden und Solidarität eintritt, wird die FPÖ nicht aufhören, Sorgen, Zweifel, Ängste und Wut eines Teils der Gesellschaft durch hetzerische Parolen aufzuheizen. Und das kommende Weihnachtsfest ist in manchen Familien und Freundeskreisen überschattet von Streitigkeiten um die für 2022 angekündigte Impfpflicht. Auch im katholischen Milieu sind Familien und Freundschaften von diesen Konflikten belastet. Katholikinnen und Katholiken kündigen die Abonnements ihrer Kirchenzeitungen, weil sich diese für die Impfpflicht aussprechen. Überdies bedrücken wirtschaftliche Probleme das Land, die Inflation steigt, nicht zuletzt infolge wachsender Energiepreise – und damit grassiert auch die Pandemie der Armut. Die Liste der Probleme, die 2022 auf uns warten, scheint endlos lang. Sie sind bekannt, ich führe sie nicht fort.

Und jetzt kommt das Weihnachtsfest. Wie soll man da in Friede und Freude feiern, selbst dann, wenn einen die Schwierigkeiten nicht unmittelbar betreffen?

Wir benötigen dringend Hoffnung. Keine naive Zuversicht, dass „alles wieder gut wird“. Keine billige Vertröstung, die die Probleme im Weihnachtsschimmer für ein paar Tage ausblendet. Keinen blinden Optimismus. Sondern eine gebildete, bewährte Hoffnung, die – gläubig gesprochen – die Orientierung an Gott auch in schwierigen Zeiten nicht aus den Augen verliert. Eine Hoffnung, wie sie die Heilige Schrift bezeugt: geboren, gelernt, dem Leid mit Gottes Hilfe abgerungen in jenen politisch und sozial bedrückenden, oftmals konfliktiven und gewaltvollen Zeiten, die immer wieder im Hintergrund biblischer Texte zu erkennen sind; Texte, die im Schatten machtvoller Imperien – Ägypten, Babylon, Rom – entstanden sind.  

2021: Look back in Anger?

Eine solche belastbare Hoffnung ist nötig, weil die Normalität vor der Pandemie vermutlich so nicht wieder kommen wird. Die Verwerfungen der Pandemie lassen erahnen, was mit der Klimakatastrophe auf uns zukommen wird, sie sind in gewissem Sinn ein Probelauf. Diese Normalität soll vielleicht auch gar nicht wieder kommen. Denn die Pandemie hat Probleme sichtbar gemacht und verschärft, die schon lange bestehen und denen sich Gesellschaft und Kirche auch ohne Pandemie schon längst hätten stellen müssen.

Auch wenn der Zorn, die Wut und die Aggressionen einer sich radikalisierenden Minderheit ethisch nicht zu rechtfertigen sind und eingedämmt werden müssen: Was sich da auf den Straßen mancher Städte Europas entlädt, lässt sich vielleicht besser verstehen, wenn man sich dessen Genese vergegenwärtigt. Eine solche Erinnerung macht diese Demonstrationen nicht weniger gefährlich, es besteht Handlungsbedarf. Sie lassen aber den gesellschaftlichen Transformationsbedarf erkennen, vor dem Europa schon länger steht. Statt sich mit Abscheu und Empörung abzuwenden, ist gesellschaftspolitische Selbstreflexion und -kritik angesagt.

Wut, Zorn und Hass sind nicht vom Himmel gefallen, sie suchen sich jeweils konkrete Anlässe und Ventile. Eine Verstehensmöglichkeit bietet der niederländische Journalist Gert Mak mit seiner detailreichen Darstellung der politischen, ökonomischen und sozialen Krisen in Europa seit der Jahrtausendwende. In seinem Buch „Große Erwartungen. Auf den Spuren des europäischen Traums“ beschreibt er die ambivalenten Auswirkungen der neoliberalen Wirtschaftspolitik auf Europa. Während durch Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung das Wirtschaftswachstum angekurbelt wurde, „schwerfällige Staatsapparate wieder auf Trab gebracht wurden“ und sich zunächst „die Armut weltweit spektakulär reduzierte“, wurde zeitgleich der öffentliche Sektor demontiert: in vielen Ländern wurden Schulen und Krankenhäuser kommerzialisiert, öffentlicher Wohnungsbestand auf den Markt geworfen, ein Bildungsmarkt, Pflegemarkt und Kulturmarkt entstanden. Die „Freuden der Globalisierung“ hatten einen Preis. Die Ungleichheit der Einkommen nahm nach der Jahrtausendwende wieder zu. Während „eine neue Klasse von Managern Technokraten und Beratern profitierte und an Macht und Reichtum zulegte“, entstand in diesen „fetten Jahren“ eine neue Gruppe von Menschen, die von einer befristeten Stelle zur nächsten wechselte, subtil ausgebeutet und verachtet wurde, und die in oft trostlosen Wohnsituationen, mit gesundheitlichen Problemen oder tief verschuldet lebte. In Österreich fanden diese Entwicklungen dank eines soliden Wohlfahrtsstaates eher gebremst statt, aber auch hier konnte man sich diesen Dynamiken nicht zur Gänze entziehen. Armut und Arbeitslosigkeit wurden auch hierzulande zum politisch viel zu wenig beachteten Problem. Vor allem aber konnten die Menschen diese Entwicklungen dank einer globalisierten Medienwelt über Jahre hinweg beobachten.

Vertrauensverlust und Revolte

Die Bankenkrise 2008, und ihre Folgen, die Mak als Konsequenz dieser Entwicklungen akribisch beschreibt, kann man deshalb in ihrer Wirkung auf das Vertrauen der Bevölkerungen in Politik und Wirtschaft gar nicht überschätzen. Mak spricht von einer „moralischen Krise“, denn „dass die Verantwortlichen straffrei ausgingen, teilweise sogar mit Abfertigungen belohnt wurden, dass die Bürger den Preis für deren verantwortungsloses Handeln in der Bankenwelt bezahlen mussten und ein Teil der Bevölkerung dadurch lange Jahre in Arbeitslosigkeit und Armut gestürzt wurde, ließ viele Europäer die Wertevorstellungen vieler Bankvorstände und zahlreicher politischer Entscheidungsträger erkennen.“ Die Erschütterungen des Vertrauens wirken bis heute nach, insbesondere bei jenen, die die Auswirkungen am eigenen Leib spürten. Der massive Vertrauensverlust in gesellschaftliche Institutionen, Politiker, Manager, Medien – wie er z.B. unter den Impfgegnern überdurchschnittlich häufig anzutreffen ist – wird da nicht erstaunen. Er ist der Nährboden für Wut, Zorn und Aggression.

Auch der israelische Journalist Nadav Eyal erkennt in den weltweiten Zusammenrottungen von Menschen, die sich ökonomisch, politisch und medial schon seit längerem abgehängt und nicht repräsentiert fühlen, eine Reaktion auf die negativen Auswirkungen der Globalisierung. Er spricht von einer „Revolte“, die sich ohne Plan und Ziel gegen diese Entwicklungen aufbäumen. Diese Revolte ist gekennzeichnet von einem fundamentalen Vertrauensverlust in gesellschaftliche Institutionen, in das Wirtschafts- und Bildungssystem, in die Wissenschaft und die Medien und in Politiker und den Staat. Rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien profitieren seit Jahren von dieser emotionalen Gemengelage, denen bisher von Seiten der etablierten Akteure zu wenig Alternativen zur Lösung der Probleme angeboten wurden. Seit 2015 gelang es jenen Parteien, diese Emotionen vor allem in Ablehnung und Hass gegen Flüchtlinge und Migranten zu kanalisieren, unterstützt von jenen, die sich durch Migration und Flucht in ihrem Wohlstand, ihrer Sicherheit und kulturellen Identität bedroht sehen. Schon 2015 fanden scharfe und aggressive Auseinandersetzungen zum Migrationsthema statt, die die Gesellschaften polarisierten und Familien und Freundschaften entzweiten. Aber mit einer restriktiven Migrations- und Asylpolitik gelang es, die Spannungen halbwegs zu zähmen – auf Kosten von v.a. Flüchtlingen – und sie zugleich am Köcheln zu halten. Wer sich heute immer noch für Flüchtlinge engagiert, tut dies allzu oft leise und vermeidet Konflikte.

Die Pandemie freilich lässt sich nicht wie die Flüchtlinge vom Leibe halten. Sie betrifft, zwar in verschiedener Weise, doch alle. Und so entstehen neue Konstellationen der Aggression und des Hasses, die sich politisch benützen lassen.

Wenn heute in vielen Ländern Europas staatliche Maßnahmen gegen die Pandemie grundsätzlich abgelehnt oder gar boykottiert werden, kann man angesichts dieser Vorgeschichte den Eindruck bekommen: Hier wurden zu lange eine gärende emotionale Gemengelange und die diese verursachenden Probleme ignoriert. Gesellschaften zahlen den Preis dafür. Sie sind mit einer kleinen, aber sich radikalisierenden Gruppe von Menschen konfrontiert, der sie zu Recht besorgt und ängstlich gegenüberstehen. Vielleicht löst sie sich in dieser Formation nach dem ersehnten Ende der Pandemie wieder auf. Aber die gärende Atmosphäre wird bleiben und neue Konflikte werden entstehen.   

Zeitenwende

Mit der Politikwissenschaftlerin Nancy Fraser ließe sich angesichts dessen feststellen, dass das neoliberale Wirtschaftskonzept zwar in seiner realen Macht ungebrochen sei, aber spätestens mit 2008 in einer massiven Legitimationskrise steckt und seine Hegemonie unwiderruflich beschädigt ist. 2019 betitelte sie einen Aufsatz daher folgendermaßen: „The old is dying and the new cannot be born“. Ihr zufolge befindet sich die Welt in einer umfassenden Transformationskrise, ja sogar im Übergang zu einer neuen Epoche, deren Konturen aber noch nicht sichtbar seien. Wie die politische und ökonomische Zukunft aussehen wird oder soll, ist unklar und heftig umstritten.

Der Vergleich einer gesellschaftlichen Transformation im Zeichen einer Zeitenwende mit einem Sterbe- und Geburtsprozess erinnert auch an ein Zitat aus den Gefängnisheften von Antonio Gramsci, der angesichts des aufkeimenden Faschismus schrieb: „Die Krise besteht darin, dass das Alte stirbt und das Neue noch nicht geboren ist. In dieser Zwischenzeit erscheinen die Monster.“ (Gramsci, Antonio: Gefängnishefte Band III, §34; Hamburg 1991)

Aus dieser Sicht könnten die gesellschaftlichen Konflikte im Kontext der Pandemie auch als (weiterer) Indikator einer Zeitenwende gesehen werden, die schon länger gärende Transformationsprozesse ungeschönt ans Licht bringt. Freilich: Sollte sich die Welt tatsächlich in einem solchen Umbruch befinden, bei der es um die Geburt von etwas Neuem geht, das noch nicht erkennbar ist, sind solche Zeiten aus historischer Sicht ebenso chancenreich wie gefährlich. Gesellschaften im Epochenwandel sind mit Veränderungen der Gesellschaftsordnung, des Weltverständnisses, der leitenden Paradigmen konfrontiert, die sie passiv erleiden oder aktiv gestalten können. Neue Ideen, neue Konstellationen und Kooperationen für eine gerechtere, menschlichere Welt können ebenso entstehen wie Angst, Aggression und Gewalt.

So betrachtet sollte uns der Zorn der Demonstrantinnen und Demonstranten aufwecken. Statt moralischer Empörung wäre Umdenken in sozialen, gesellschaftlichen und politischen Fragen erforderlich. Denn, wie gesagt, die Pandemie-Krise ist vielleicht nur ein Probelauf für die kommenden Krisen.

Zeitenwende, christlich: Was hat das mit Weihnachten zu tun?

Auch Papst Franziskus hat unsere Epoche bereits 2017 als Zeitenwende gedeutet. Im Rahmen einer Jahresversammlung der italienischen Bischöfe stellte er fest: „Wir erleben nicht eine Ära im Wandel, sondern den Wandel einer Ära.“ (Paul M. Zulehner: Neue Schläuche für jungen Wein. Unterwegs in eine neue Ära der Kirche, Ostfildern 2017, 13). Das schreckt auf. Denn dann gilt es, sich auf einen beunruhigenden Epochenwandel einzustellen, auf den Übergang in ein neues Zeitalter, statt sich im bloßen Wandel einzurichten. Dieser Epochenwandel betrifft auch die Kirche. Die gesellschaftlichen Konflikte – rund um Flüchtlinge, die Pandemie oder die Einschätzung des Wirtschaftssystems – durchziehen auch sie. Auch in ihr gärt es angesichts zahlreicher ungelöster innerkirchlicher Konflikte. Die langjährige Erosion droht, verschärft durch den Vertrauensverlust aufgrund der Missbrauchsskandale, in einen Absturz zu kippen. Ihre neue gesellschaftliche Rolle hat die Kirche noch nicht gefunden. Die alte Gestalt der Volkskirche geht zu Ende, eine neue wird geboren, ist aber in ihrer Gestalt noch nicht erkennbar.

Angesichts dieses viele bedrückenden Befunds lässt das Bild der Geburt für die aktuelle Zeitenwende auch das Weihnachtfest in einem aktuellen Licht erkennen wie schon lange nicht mehr. Denn aus christlicher Sicht kündigt sich auch mit der Geburt des Jesus von Nazareth etwas Neues, eine Zeitenwende an. Freilich muss mit dieser Formulierung höchst achtsam umgegangen werden, da sie sich allzu rasch mit einer antijudaistischen Konnotation verbinden kann und auch verbunden hat. Denn eines bedeutet das Neue, das da kommt, ganz sicher nicht: Dass mit der Geburt Christi das Judentum substituiert oder gar aufgehoben ist. Die biblische Tradition des Alten und des Neuen Testaments kennt keine radikale Neuerung, die mit dem Alten ersatzlos bricht. Das jeweils Neue ist vielmehr eine Er-neuerung: Es erinnert und bestätigt das Alte und führt es auf erneuerte, den Zeichen der Zeit entsprechende Weise weiter.

Auch mit der Geburt Jesu beginnt etwas Neues, das zu Beginn in seiner Bedeutung noch nicht erkennbar ist und sich erst in der österlichen Erinnerung der Verfasser der Autoren der Evangelien an ihre jüdischen Überlieferungen erschließt. Das Neue wird in das Alte eingebettet und von ihm her begründet, das zeigen die vielen alttestamentlichen Verweise der Evangelien. Es ist nicht revolutionär, sondern erneuert, vertieft und bestätigt den Bund mit JHWH. Mit der Geburt des Juden Jesus beginnt ein neuer Prozess, zunächst in der Stille der Nacht, unsichtbar und an der Peripherie der religiösen und politischen Machtzentren der damaligen Zeit. Eine Zeit unter der imperialen Herrschaft des göttlichen Augustus, gezeichnet von politischer Repression und Verfolgung, von religiösen Auseinandersetzungen und Konflikten zwischen verschiedenen jüdischen Gruppen. Eine schwierige, eine aufgeheizte Zeit. Die Geburt des Jesus von Nazareth inmitten dieser Zeit wird in dieser Zeit zum Zeichen der Hoffnung, dass Neues und Anderes möglich wird. Indem die Evangelisten ihn als den Sohn Gottes und den Messias bezeugen, kritisieren sie auch diese Zeit und ihre Machtkämpfe. Nicht Augustus, sondern Gott ist der Herr der Welt, erkennbar in der Geburt eines Menschenkindes, das Neues bringen wird.

Bei der Beschneidung Jesu wird der fromme Simeon dies erahnen, wenn er ausruft: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel“ (Lukas 2,29-32). Mit dem neugeborenen Kind wird das Judentum in seiner Herrlichkeit für die ganze Welt erstrahlen und die Heiden – die Andersgläubigen – werden Zugang zum Bund mit JHWH erhalten. Auch wenn die antijudaistische Geschichte des Christentums diese feine Unterscheidung des Simeon über Jahrhunderte überhört hat: Für die Menschheit kündet die Geburt eines jüdischen Kindes Rettung und Heil an. Mit ihm wird sie die Möglichkeit erhalten, zu Gott und seinem Ethos und seinen Rechtsordnungen, die auch eine gerechte Gesellschaftsordnung verheißen, umzukehren.

Aus dieser Sicht kann die Feier der Geburt Jesu ein wahrer Trost werden und Hoffnung geben. Die Geburt Jesu erinnert daran, dass inmitten schwieriger Zeiten das Heil anbrechen kann und will, das Gott uns zugedacht hat. Sie erinnert daran, dass Rettung und Befreiung nicht mit Machtdemonstrationen, Gewalt und Revolutionen einherkommen, sondern unscheinbar und sanft beginnen und langfristige Prozesse sind, die Vertrauen und Geduld benötigen. Sie macht aber auch bewusst, dass solche Neubeginne gefährlich sind. Dem Christtag folgt am 26. Dezember das Gedenken an den ersten Märtyrer Stephanus. Am 28. Dezember begeht die katholische Kirche das „Fest der unschuldigen Kinder“, in der Erinnerung an jenen Tag, an dem laut Mt 2, 13-23 König Herodes die Kinder von Betlehem töten ließ, weil er sich von dem Neugeborenen in seiner Macht bedroht fühlte.

Im biblischen Zeitverständnis bedeutet Erinnerung immer Vergegenwärtigung: Was geschehen ist, geschieht auch jetzt. So lässt sich auch in der Weihnachtsliturgie erleben, dass der Messias, der Christus auch heute geboren wird, in unseren Herzen und Gemeinschaften. Geboren werden aber keine Monster, sondern die Hoffnung auf ein neues, befreites, erlöstes Leben, das uns Gott schenken möchte und an das Jesus von Nazareth erinnern wird, wenn er die Botschaft vom Reiches Gottes in die Mitte seiner Verkündigung stellen wird – und damit auch an die Verheißung erinnert, dass in der Treue zu Gott und seinen Geboten eine friedvolle, gerechte Gesellschaft auch jetzt schon von uns mitverwirklicht werden kann. Damit kann auch das Neue geboren werden, das wir für unser kirchliches und gesellschaftliches Zusammenleben dringend benötigen.

Weihnachten ist in diesem Sinn eine Zusage auf ein Leben, das schon heute von der Liebe und Gerechtigkeit Gottes geprägt ist. Wer diese Zusage wahrnimmt und annimmt, kann hoffnungsvoll umkehren und aktiv etwas dazu beitragen, dass ein solches Leben Wirklichkeit wird. Die Geburt Jesu stiftet neue Hoffnung und ermutigt und ermächtigt zum Aufbruch.

Welche Hoffnungskraft in der Geburt des Jesus steckt, konnte auch die jüdische Philosophin Hannah Arendt formulieren:

„Dass man in der Welt Vertrauen haben und dass man für die Welt hoffen darf, ist vielleicht nirgends knapper und schöner ausgedrückt als in den Worten, mit denen die Weihnachtsoratorien die ‘frohe Botschaft’ verkünden: Uns ist ein Kind geboren.“

Frohe Weihnachten!

Bild: Beate Heinen, „O Heiland, reiß die Himmel auf“ (1993)

Veröffentlicht von Praktische Theologie

Institut für Praktische Theologie Katholisch-Theologische Fakultät Universität Wien Schenkenstrasse 8-10 1010 Wien c/o Assoc.-Prof. Dr. Regina Polak, MAS (Admin)

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